Mobbing

 

 

Mobbing hat an Bedeutung in der Arbeitswelt stark zugenommen, für die Betroffenen ist es eine Katastrophe. Die Folgen reichen von zerstörtem Selbstbewusstsein, über Arbeitsunfähigkeit, schweren Erkrankungen bis hin zu Selbstmord. Was kann man dagegen tun?

Mobbingopfer haben im Schnitt zwei Dinge gemeinsam: Sie haben meist tatsächlich eine Besonderheit, etwas, das sie von den anderen unterscheidet. Eine leichte Behinderung, einen etwas anderen Kleidungsstil, sie sind besonders intelligent oder sozial ungeschickt. Das andere Opfermerkmal ist: Sie wehren sich, wenn überhaupt, erst viel zu spät. Und das zeigt die wichtigste, empirisch bewiesene Handhabe gegen Mobbing: Wehren Sie sich. Egal wie spät es ist.

Es kommt mit großer Wahrscheinlichkeit zu Konflikten, der Mobber wird nicht beim ersten Widerstand sagen: „Oh ja, das war gemein von mir, ich lasse das in Zukunft sein!“ Aber das Wehren ist immens wichtig, weil es den Betroffenen aus der Ohnmacht des Opferstatus reißt und dem Täter das bis dahin leichte Spiel erschwert. Er muss merken, dass seine Angriffe auf Widerstand stoßen. Sich wehren bedeutet sich von anderen Unterstützung holen, den Täter auf sein Verhalten ansprechen (nur mit einem unbeteiligten Dritten als Zeugen und Mediator), mit dem Chef sprechen, wenn er nicht zu den Tätern gehört. Wenn doch, mit dem nächst höheren.

Nun kommt es auch vor, dass Mobbing von Vorgesetzten gezielt anstelle einer Kündigung betrieben wird, um Kündigungsschutzgesetze zu umgehen und Abfindungskosten zu sparen. In dem Fall reden Sie mit dem Chef und machen ihm klar, wie teuer es für die Firma wird, wenn Sie erst anfangen wegen des Mobbings auszufallen, krank zu werden, aber die Stelle nicht räumen, welchen Imageverlust es für die Firma  bedeutet, wenn das vor Gericht kommt usw.
Wehren Sie sich!  

Man kann einwenden, wieso es denn wieder an den Opfern hängenbleibt, wieso müssen die sich Strategien überlegen und ihnen aufgezwungene Konflikte austragen, was ist eigentlich mit den Tätern?
Die Schwierigkeit liegt daran, dass selbst nach vielen Forschungen kein Täterprofil erfasst werden konnte. Es gibt keine gemeinsamen Merkmale bei Mobbingverursachern. Das was man gefunden hat, ist die gemeinsame Situation. Je höher der Druck, die Konkurrenz, der Wettbewerb desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Mobbing stattfindet. Schlicht gesagt: Wenn sich die Ressourcen verknappen, werden die Menschen eklig.

Man kann den Mechanismus gut im Journalismus verfolgen. Die Medien stehen unter Druck, das Internet gräbt ihnen das Wasser ab, die Blogger haben ihre Monopolstellung zerstört, die Auflagenzahlen gehen zurück. Das hat zur Folge, dass sich der Ton massiv verschärft hat. Bei manchen Journalisten hat man den Eindruck, sie betätigen sich eher als Chefmobber, denn als Berichterstatter, um den Wettbewerb nach der größten Reichweite zu gewinnen. Es ist kein Privileg der Bildzeitung mehr einzelne Personen regelrecht zu hetzen, man denke an die Berichterstattung zum früheren Bundespräsidenten Wulff, auch durch alle seriösen Medien durch.

Was können wir tun? In der klassischen Mobbingsituation gibt es ein bis zwei Anführer, eine kleine Gruppe von Unterstützern, die schweigende Mehrheit und zehn Prozent, die bereit sind dem Opfer zu helfen.

In allen sozialpsychologischen Forschungen findet man diese zehn Prozent. Sie zeigen Zivilcourage, sie drücken den Knopf nicht, durch den ein anderer gequält wird, setzen sich ein, auch wenn es mit einem Risiko verbunden ist, springen Opfern bei. Man braucht keine Heldentaten: nein zum Mobbing sagen, reicht. Zehn Prozent müssen nicht das Limit für die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft sein.
 


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Christine Quindeau

Ulmenweg 19

91054 Erlangen

 

 

Christine Quindeau
Psychologin

Psychotherapeutin (HPG)

 

Entwicklungspsychologie Pädagogin, Kinder- und Jugendpsychologie

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© Christine Quindeau