Die stille Revolution
 

Die bejahenden Einstellungen zur Kindesmisshandlung sind zwar rückläufig, aber immer noch strafen je nach Studie 50 bis 75 % aller Eltern ihre Kinder auch körperlich. Die oft anzutreffende große Spannbreite in den Ergebnissen kommt durch die unterschiedlichen Erhebungen zustande, einmal wird Schlagen erhoben, einmal werden alle körperlichen Bestrafungen abgefragt usw.

Im Gegensatz zum sexuellen Missbrauch gibt es bei schlagenden Eltern nur wenige gemeinsame „Tätermerkmale“. Schlagen in der Familie kommt vor allem bei Konflikten und Überforderung mit der Erziehungssituation vor. Wenn die Eltern sich viel streiten, die familiäre Situation konfliktbeladen ist, werden Kinder mehr geschlagen als in anderen Familien. Das Gefühl der Eltern beim Schlagen ist oft ein hilfloses, wütendes „Ich kann nicht mehr!“

Aber das Gefühl der Kinder ist viel hilfloser. Kinder, die geschlagen werden, bleiben im Schnitt in ihrer kognitiven und sozialen Entwicklung zurück. Sie haben Angst vor Leistungssituationen, können sie schlechter bewältigen, was zur tragischen Folge hat, dass sie schlechter in der Schule sind, sie haben es schwerer Freunde zu finden. Die Befunde gibt es über die ganzen 50 bis 75 %, nicht nur über die elf Prozent der Kinder, die nach allen Studien schwerst misshandelt werden. Elf Prozent bedeuten, im Schnitt sitzen in jeder Klasse zwei Kinder, die unter dauernden gesundheitlichen und psychischen Beeinträchtigungen leiden wegen elterlicher Gewalt.


Oft erlebt man, dass Eltern sehr gereizt auf ihre Kinder reagieren, weil sie die ihnen gestellten Aufgaben nicht bewältigen, zum Beispiel Zimmer aufräumen. Dabei übersehen Eltern, dass Kinder mit drei Jahren ihr Zimmer selbst gar nicht aufräumen können und missinterpretieren die Weigerung oder höchst mangelhafte Erledigung als Widerstand, als gewollten Trotz oder gar Bosheit den Eltern gegenüber.

Ich saß in der U-Bahn und mir gegenüber ein Junge mit seiner Mutter, den sie gerade von der Schule abgeholt hatte, sie fragte ihn schnell und streng Rechenaufgaben ab, deren richtige Ergebnisse sie aus dem Heft ablas. Der Junge rechnete gut, aber sichtbar erschöpft, der Kopf lehnte an der Scheibe, der Blick war leer. Als er einmal eine falsche Antwort gab, sagte die Mutter: „Wenn du die Rechenaufgaben nicht kannst, gehen wir heute nicht ins Schwimmbad!“ Das schien eine große Katastrophe für den Jungen zu sein, er jammerte erst und strengte sich dann noch mehr an. Bei einem neuerlichen Fehler fing er an zu weinen. Die Mutter drohte: „Du, wenn du weinst…!!“ Mit entsprechender Handbewegung, die bedeutete, dass er dann geschlagen werde. Die Mutter meinte, sie fördere das Kind. Tatsächlich litt der Junge, ohne jeden Sinn.

Sehr oft denken Eltern, es ginge nicht anders, dabei überfordern sie schlicht das Kind, benutzen bei ihren Aufforderungen Wörter, die ein Kind nicht versteht. Bei einem wütend gezischten „Hör auf mich zu blamieren!“ einer Vierjährigen gegenüber weiß das Kind nicht, was es tun oder lassen soll, es hat nur Angst, weil die Mutter so wütend ist. Die Kinder sind überfordert, reagieren natürlich nicht so, wie die Erwachsenen es wünschen. Die Erwachsenen sind überfordert, versetzen sich nicht in die Möglichkeiten des Kindes hinein.

Die gesellschaftliche Bejahung zur Kindesmisshandlung ist im Wandel, das ist großartig. Denn tatsächlich gibt es einen Zusammenhang: Eltern, die Gewalt in der Erziehung verharmlosen, schlagen mehr als andere. Einstellungen kann man ändern und damit ändert sich das Klima, in dem es erlaubt, verständlich oder gar als sinnvoll erachtet wird, die Schwächsten zu verletzen und ihnen damit Entwicklungsnachteile aufzubürden. 

 

Man kennt den Spruch: „Wer geschlagen wurde, schlägt selbst!“  Das ist glücklicherweise nicht zutreffend. Zwar gibt es das Phänomen, dem negativen Vorbild der Eltern zu folgen „uns hat das auch nicht geschadet“, aber ebenso gibt es von vielen Geschlagenen eine starke Motivation, es besser als die eigenen Eltern zu machen. Diese Eltern wollen, auch wenn sie es nicht anders kennen, das was sie selbst erlitten haben, den eigenen Kindern auf keinen Fall antun. Sie haben die Gesellschaft verändert und jeder der innehält, wenn er sich überfordert fühlt und die Hand sinken lässt, verändert sie weiter.

Im Mittel unterscheiden sich jetzt Eltern, die als Kinder geschlagen wurden in ihrer Gewaltanwendung bei ihrer Erziehung kaum mehr von denen, die gewaltfrei erzogen wurden. 
 
Es ist eine große Revolution und ein kleines Wunder, dass Schlagen sich nicht "vererbt". 


Wir haben so viel in der Hand. 

 

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Christine Quindeau
Psychologin

Psychotherapeutin (HPG)

 

Entwicklungspsychologie Pädagogin, Kinder- und Jugendpsychologie

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© Christine Quindeau