Schatz, hörst du die Stechmücke?

 


In Beziehungen entstehen die meisten Konflikte durch gestörte Kommunikation. Man redet mehr über die Vorwürfe, die man glaubt zu hören als darüber, was der andere tatsächlich sagt. Aber mit ausgesprochenen Tatsachen lässt sich leichter umgehen, als mit dem Nebel dessen, was man glaubt, dass der andere EIGENTLICH meint. Es eskaliert gerne an einfachen Sätzen wie „Die Ampel ist grün!“ oder „Wer hat denn hier das Fenster offengelassen, so dass die Stechmücken reinkommen?!“ oder „Wo ist das Salz?“

Die Antworten auf der Sachebene sind höchst einfach: „Die Ampel ist grün.“ – „Ja!“
„Wer hat denn hier das Fenster offengelassen?!“ – „Ich.“
„Wo ist das Salz?“ – „Auf dem Tisch!“

Aber tatsächlich hören wir ganz anderes, nämlich: „Los, fahr endlich!“ oder „Du bist Schuld wenn wir heute Nacht von Mücken zerstochen werden, weil du bei Licht das Fenster offen gelassen hast!“ oder „Gib es mir, bitte!“

Vielleicht hören wir noch viel mehr, nämlich nicht nur die Aufforderung loszufahren, sondern auch Kritik an den eigenen Fahrkünsten. Eventuell erinnert sich der Mann, dass die Frau mal scherzhaft gesagt hat, so wie ein Mann Auto fahre, sei er auch beim Sex und seitdem ist jede Bemerkung zu seiner Fahrweise vermintes Gebiet. Das weiß sie aber nicht. Sie denkt vielleicht nur, dass er bei dem blöden Gegenlicht das Umschalten der Ampel nicht gesehen hat. Das wiederum weiß er nicht und antwortet: „Immer hast du was zu meckern!“

Wonach ein Streit schon kaum mehr zu vermeiden ist. Nach dem Kommunikationsmodell von Friedrich von Thun findet Kommunikation auf den vier Ebenen statt: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell.


Stellen wir uns ein Paar vor, sie hat gekocht. Es sitzt am Esstisch und der Mann sagt: „Wo ist das Salz?“ Das ist auf der Sachebene eine einfache Frage. Die richtige Antwort wäre beispielweise: „Neben der Wasserflasche.“
Wahrscheinlich meint er die Aufforderung, den Appell: „Gib es mir bitte!“
Aber vielleicht hört die Frau: „Das Essen schmeckt nicht!“

Wir wissen nicht, ob der Mann das denkt. Nur sehr duldsame Frauen werden anteilnehmend fragen: „Schatz, schmeckt‘s dir nicht?“ Woraufhin er das, was er eigentlich meint, präzisieren würde. Zum Beispiel: „Doch ist super, aber ich brauch doch immer extra Salz!“ Damit teilt er eine Information über sich, ist auf der Selbstoffenbarungsebene. Sie könnte sich dran erinnern, dass er tatsächlich auch im Restaurant schon obligatorisch nachsalzt. Und der vermutete Vorwurf hätte sich aufgelöst.
 

Oder er würde erwidern: „Fisch mag ich nicht, das weißt du doch, egal wie gut er zubereitet ist.“ Dann würde sie sich denken, stimmt eigentlich, wenn ich etwas koche, was er nicht mag, ist ja klar, dass er nicht begeistert ist. Vielleicht sagt sie grinsend: „Ich dachte, wenn ich ihn mal anders mache, vielleicht doch!“ Er findet es dann wahrscheinlich lustig, wie sie versucht ihm ihr Lieblingsgericht schmackhaft zu machen. Womit sie auf der Beziehungsebene sind.

Natürlich, man muss sich nichts vormachen. Nicht jeder Konflikt geht auf gestörte Kommunikation zurück. Man denke an das bei Licht offen gelassene Fenster, wodurch Stechmücken ins Schlafzimmer gelockt wurden. Möglicherweise ist der Mann  gar kein so schlimmer Haustyrann wie es den Anschein hat, ihn stören nicht mal die Stechmücken, er möchte nur nicht nachts unsanft aus dem Schlaf gerissen werden durch das laute Klatschen, das entsteht wenn ein Buch gegen die Wand geschlagen wird, in der Hoffnung, dass die Stechmücke dazwischen ist. Oder durch das liebliche Säuseln: „Schatz, hörst du die Stechmücke?“ Was auf der Sachebene mit „Bis jetzt nicht, ich hab sehr gut geschlafen!“ zu beantworten wäre, in Wahrheit aber bedeutet: „Steh auf und erlege sie!“

Egal wie gut er das kommunizieren würde, der Konflikt bleibt, denn sie wird sich kaum damit einverstanden erklären nachts ruhig wach zu liegen und sich stechen zu lassen. Da hilft keine noch so gute Kommunikation, sondern Mückenspray. Vorausgesetzt, sie wendet nicht ein, dass sie keine Chemie im Schlafzimmer möchte…

Nicht jeden Konflikt kann man durch verbesserte Kommunikation lösen, aber doch sehr viele vermeiden, wie die berühmte „Geschichte mit dem Hammer“ von Paul Watzlawick zeigt:

„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er ihn nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen ihn. Und was? Er hat ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von ihm ein Werkzeug borgen wollte, er gäbe es ihm sofort. Und warum sein Nachbar nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen ausschlagen? Leute wie der Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet der Nachbar sich noch ein, er sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s ihm aber wirklich. Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er „Guten Morgen“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

 

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Christine Quindeau
Psychologin

Psychotherapeutin (HPG)

 

Entwicklungspsychologie Pädagogin, Kinder- und Jugendpsychologie

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