Verstärkungen



Kinder bringen die Eltern manchmal an den Rand ihrer Leidensfähigkeit. Ob es morgens Aufstehen ist, Zähneputzen, Duschen oder ins Bett gehen, Kinder können aus alltäglichen Abläufen ein wahres Horrorszenario kreieren. Kann man das ändern?

Ja, die meisten „Unarten“ kriegt man mit Verstärkungen in den Griff, dazu gehören Lob und Tadel, Bestrafungen und Token-Systeme. Token sind eigentlich Zeichen, gemeint sind kleine Symbole (wie Sternchen oder Smileys) die man für erwünschtes Verhalten vergibt, und wenn das Kind eine bestimmte Anzahl davon gesammelt hat, gibt es eine vorher ausgemachte Belohnung. Zum Beispiel wenn das Kind an zehn Abenden hintereinander ohne Theater zu machen ins Bett gegangen ist, geht man zusammen in den Zoo. Wichtigstes Tool dazu ist eine schön gestaltete Tabelle oder ein Kalender, der im Kinderzimmer hängt, in den bei jedem normalen Zubettgehen ein Smiley eingeklebt wird. Man kann das ebenso mit einer Kiste und Plastiksternchen oder Ähnlichem machen. Wichtig ist, dass die Token (Aufkleber oder Plastiksternchen o.a.) sichtbar und attraktiv fürs Kind sind, etwas das man gerne anschaut oder anfasst. Und dass sie wirklich immer gegeben werden, wenn das erwünschte Verhalten gezeigt wird.
 

Token-Systeme haben den Vorteil, dass sie für fast alles einsetzbar sind, und dass sie sehr gut wirken. Vor allem Grundschulkinder lieben sie und entwickeln einen gehörigen Ehrgeiz beim Sammeln. In der Schule werden sie meistens in einfacher Form eingesetzt: Wer beispielsweise zehnmal fehlerfrei seine Hausaufgaben gemacht hat, bekommt einen Hausaufgabengutschein, den er für einmal nicht gemachte Hausaufgaben einlösen kann. Ich habe Kinder gesehen, die ihre Hausaufgaben ausgesprochen gerne machen und trotzdem danach trachten möglichst viele Hausaufgabengutscheine zu sammeln, ohne sie je auszugeben. Sie sitzen auf ihnen wie Dagobert Duck auf den Millionen und freuen sich an ihnen. Das Spiel, sich durch Wohlverhalten eine Belohnung anzusammeln macht vielen Kindern (für Erwachsene oft unfassbar) viel Spaß.  Natürlich machen Token-Systeme erst Sinn, wenn das Kind schon ein bisschen abstrahieren kann, ab fünf, sechs Jahren ungefähr.

Bei Pubertierenden verliert sich meistens der Reiz, aber das ist eine Typ-Frage. Manche Menschen werden von der Aussicht sich eine Belohnung „zu erarbeiten“ immer motiviert. Als ich während meines Studiums im Entwicklungspsychologischen Seminar das Thema „Operantes Konditionieren“ als Referat hatte, gestaltete ich die Seminarstunde mit Token, damit wir mit der Theorie gleich mal selbst ausprobieren, wie sie wirkt. Jeder, der einen konstruktiven Beitrag leistete, durfte sich eines der von mir hingestellten Glassteinchen nehmen. Am Pult hatte ich die „Belohnungen“ aufgebaut, eine Mini-Süßigkeit für zwei Steinchen, einen Stift für drei usw. Und obwohl die Studierenden alle erwachsen waren (sicher war die Aussicht auf eine Mini-Süßigkeit kein echter Anreiz), drängelten einige fast bei den Wortmeldungen, entschuldigten sich zwar, sie wüssten es sei albern, aber sie stünden einfach auf solche Spiele. Und selbst die zunächst distanziert-amüsierte Professorin fragte nach ein paar Minuten, ob sie sich auch ein Steinchen nehmen dürfe, nachdem sie etwas gesagt hatte J 

Man kann Token-Systeme für alles mögliche einsetzen, für das man Anreize schaffen möchte. Zum Beispiel kann man je ein Token für ordentlich gemachte Hausaufgaben vergeben und für reibungslos ins Bett gehen. Und eine Belohnung für soundsoviel Token in Aussicht stellen. Dann muss man sie aber auch einlösen und wenns ein ganzes Jahr gedauert hat, bis sie zusammenkamen und der gewünschte Effekt nicht erzielt wurde. Also man muss sich vorher überlegen, was man tut ;-)

Das gilt auch für Löschungstoken. Man kann vereinbaren bei manchmal vorkommendem, aber besonders unerwünschtem Verhalten, zum Beispiel Turnbeutel o.ä. verlieren (muss genau abgesprochen sein), wird ein Token gelöscht (beispielsweise durch einen Aufkleber mit einem roten Punkt, den man neben das Smiley klebt).

Wichtig ist, dass man VORHER festlegt und kommuniziert, für welches Verhalten es ein Token gibt und bei wie vielen Token es welche - genau besprochene - Belohnung gibt. Also nicht „Wir gehen, wenn du eine Woche lang ohne Theater ins Bett gegangen bist, irgendwann mal in den Zoo“, sondern: „Wir gehen am Samstag“.

Ein Haken ist: Man muss hart bleiben. Wenn es heißt „eine Woche lang“ dann gibt es die Belohnung nicht, wenn es nur an fünf Tagen geschehen ist (auch wenn man als Mutter oder Vater fünf Tage schon ganz toll findet). Das fällt schwer. Da muss man durch und sagen: „Nächste Woche schaffst dus!“ Lieber nicht zu streng bei der Tokenvergabe sein (kein Theater machen ist ja ein dehnbarer Begriff ^^) und die Ziele von vornherein nicht zu hoch stecken, sondern sagen: „Wenn du fünfmal hintereinander…“

Der nächste Haken ist: Soll man/darf man das Kind überhaupt so konditionieren? Darf man ihm mit Belohnungen seinen Willen abtrainieren, soll es sich nicht frei entfalten dürfen? Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Wobei die empirisch ausgerichteten Professor/innen eher dazu neigen, Token-Systeme zu befürworten. Eben weil sie wirken. 

Die Gegenseite wendet ein, es führe nur dazu, dass Erziehende Kinder quasi durchperfektionieren würden, anstatt das Kind seinen eigenen Weg finden zu lassen. Der Einwand, man solle Kinder nicht wie einen Hund dressieren, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber andererseits: Wenn die Nerven der Eltern am Boden schleifen, weil das Kind jedes Mal stundenlang brüllt, nur weil es duschen soll, ist ein Token-System eine sehr viel kinderfreundlichere Lösung als Kind-Anschreien, Szenen und Strafen. Ganz abgesehen davon, dass stundenlanges Brüllen für das Kind auch kein glücklicher Zustand ist.

Jeder wird sich zu der Diskussion eine eigene Meinung bilden. 
Ich meine: Für ein, zwei Faktoren ist ein Token-System völlig in Ordnung, wenn das Kind weiß, dass es – Wohlverhalten oder nicht – akzeptiert und geliebt wird.


Probieren Sie es mal aus, wahrscheinlich machen Ihrem Kind Token Spaß, und für Erziehende sind Token-Systeme ein tolles Training, sich bewusst zu machen, was man erreichen möchte, das in klaren Regeln umzusetzen und sie verlässlich einzuhalten  J

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Christine Quindeau

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Christine Quindeau
Psychologin

Psychotherapeutin (HPG)

 

Entwicklungspsychologie Pädagogin, Kinder- und Jugendpsychologie

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